Immer in Bewegung
19. Mai 2021

Immer in Bewegung

Manchmal bleiben nicht nur Aufgaben, sondern auch Gedanken liegen. Genau wie bei den Aufgaben sind es oft die eigentlich besonders wichtigen, aber nicht ganz so dringlichen. Ende Jahr hat mir eine kurze, aber heftige Erkältungsphase Raum gegeben, weniger zu tun, dafür mehr zu denken. Und mich endlich mit diesen liegen gebliebenen Ideen zu beschäftigen.  

Zusammengefasst drehen sich die Gedanken um zwei entscheidende Fragen: 1. Wie soll unser Angebot in Zukunft aussehen? (Auch wenn ich glore und was wir hier tun grossartig finde – wenn wir die Welt nachhaltig zum Besseren verändern wollen, sind wir noch lange nicht am Ziel.) 2. Wie wollen wir die Zusammenarbeit im Team gestalten? (Es wäre ja irgendwie schade, wenn in einem so talentierten, qualifizierten und vielseitigen Team weiterhin jede Entscheidung bei mir landet.) 

Das sind irgendwie grosse Fragen. In meinem Kopf entstehen Visionen und Wünsche. Es geht um Veränderungen, die sich nicht von heute auf morgen mit einem Fingerschnips umsetzen lassen und die von allen Mitarbeiter*innen mitgetragen werden müssen. Im Gespräch mit dem Team zeigt sich schnell, dass dies auf sehr offene Ohren stösst. Wenig verwunderlich, aber dennoch extrem motivierend ist die Begeisterung – alle ziehen mit. Und damit beginnt sich hier langsam aber sicher alles zu bewegen: In eine wegweisende und zukunftsfähige Richtung. 

Wir denken glore immer mehr als einen Ort der Veränderung. Zur Eröffnung des Ladens in Zürich überlegten wir uns neue Worte, die uns beschreiben sollen. Seither steht auf unserer Website: «Wir kreieren mit Überzeugung und viel Fachwissen eine Plattform für die Mode der Zukunft.» Und das meinen wir auch so. Das ist, wonach wir streben. In unserer Vorstellung ist diese Plattform noch viel mehr als ein Kleiderladen, wo Kleidung mit hohen Anforderungen an Ökologie sowie Sozialverträglichkeit angeboten wird. Die Vision ist umfassender gedacht: Auf unseren Flächen soll auch Sensibilisierung, Austausch, Innovation und Begeisterung passieren. Alles rund um neue, gute Lösungen für einen positiven und bewussten Umgang mit Mode. Das sind vielleicht Repair-Workshops, Swap-Parties oder Podiums-Gespräche, aber auch mehr Second Love oder zusätzlich Recycling-Stellen, damit die Rohstoffe im Kreislauf bleiben können. Die Möglichkeiten sind endlos, es werden sich laufend neue auftun und andere sich erübrigen. Was bleibt ist unsere Vision: Hier entsteht der Ort für zukunftsfähige Mode. Wir bleiben stets in Bewegung. 

Damit diese Vision zur Realität wird, muss zuallererst auch intern eine Veränderung her. Über die letzten sechs Jahre ist glore in der Schweiz organisch gewachsen. Erst war es eine One-Woman-Show und heute sind wir ein gutes Dutzend hervorragende Menschen mit einer grossen Spannbreite an Stärken, Interessen und Ideen. Was sich nicht ganz so organisch mitentwickelt hat, ist die Struktur. In vielen Bereichen blieb die One-Woman-Show bestehen, obwohl damit viel Potenzial vernachlässigt wird und ich regelmässig an meine Grenzen komme. Höchste Zeit, die Form unseres Zusammenarbeitens zu überdenken und weiterzuentwickeln. Nur so entsteht ein Fundament, auf dem wir weiter aufbauen können. In unseren Köpfen entsteht die Idee eines Netzwerks von Personen mit einer gemeinsamen Vision. Jede*r hat eine gleichwertige Stimme und kann selbstverantwortlich mitentscheiden, wo er/sie sich mit den individuellen Fähigkeiten und Interessen einsetzt, sowie was ins individuelle Arbeitspensum passt. Wir definieren klare Verantwortungsbereiche, bleiben im stetigen Austausch, holen Feedbacks ein, unterstützen einander und sorgen für einen möglichst reibungslosen Informationsfluss. 

In den letzten Wochen ist immer  mehr in Bewegung gekommen. Wir haben uns in Gruppen getroffen, Ideen und Möglichkeiten ausgetauscht und einen Fahrplan erarbeitet. Was da kommt, wird grossartig! Ja, wenn ich daran denke, muss ich unweigerlich lächeln. Meine Team-Kolleg*innen begeistern, faszinieren, inspirieren mich. Gemeinsam wollen wir uns mit einer positiven Haltung und einem offenen Geist in Richtung einer hoffnungsvollen Zukunft bewegen. Die kommenden Monate werden viel Veränderung bedeuten. Einiges davon wird mich wahnsinnig herausfordern, anderes vor allem sehr schnell sehr stark entlasten. Alles in allem bin ich überzeugt, dass dieser Prozess nicht nur richtig, sondern auch extrem wichtig ist. 

Rebekka (Inhaberin und Geschäftsführerin)