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Kaschmir

Kaschmir gehört genauso wie Alpaka, Yak oder Kamelhaar zu den feinen Tierhaaren. Nicht umsonst gilt Kaschmir als die edelste unter ihnen. Extrem fein und weich ist es. Und auch am teuersten. Aus einem einfachen Grund: Die Gewinnung ist sehr aufwändig, die verfügbare Menge beschränkt, das Endprodukt aber umso begehrter. Kaschmir wird jährlich von der gleichnamigen Ziege gewonnen. Im Unterschied zu anderen Tierhaaren wird es allerdings nicht geschoren, sondern gekämmt. Ende Winter, wenn die Temperaturen wieder steigen, verlieren die Ziegen das weiche, gut isolierende Unterhaar, welches mit einem speziellen Kamm aus dem Fell gestreift wird. Soll das Tier dabei weder Stress noch Schmerzen leiden, braucht es eine gute Technik, viel Liebe und Zeit. Ungefähr eine Stunde pro Tier – für ein paar Hundert Gramm Rohwolle. Weil die Nachfrage stetig steigt, wird gerne geschummelt: Nur schwer erkenn- oder beweisbar werden andere Tierhaare in die Kaschmirwolle gemischt und die Käuferschaft damit hinters Licht geführt. Wer wirklich Kaschmir will, sollte beim Einkaufen also immer kritisch nachfragen. 

Kaschmirziegen leben vorwiegend in den höheren Regionen Zentralasiens: China (Innere Mongolei), die Mongolei, Indien (Kaschmir) und der Iran sind die wichtigsten Produktionsländer. Auf 2'000 bis 4'000 Metern über Meer und mit viel Auslauf fühlen sich die Ziegen am wohlsten. Dass sie dabei nicht auf zu engem Raum gehalten werden, ist entscheidend – das zeigen auch die jüngsten Diskussionen über die Kaschmirproduktion. In diversen Regionen leiden die Böden unter massivem Abgrasen und daraus folgenden Erosionen. Kaschmir ist also lange nicht immer eine nachhaltige und umweltfreundliche Faser. Entscheidend ist eben auch hier das ‘Woher ‘ und vor allem das ‘Wie’. Stammt das Kaschmir aus einer nachhaltigen und ethischen Tierhaltung, dann überzeugt es auf ganzer Linie:

  • Zwischen 0.007 und 0.019 Millimeter Durchmesser misst ein Kaschmirhaar. Es ist damit weniger als halb so dick wie Schafswolle und auch ein gutes Stück feiner als Alpaka. Dieser Tatsache verdankt Kaschmir seinen extrem weichen und kuschligen Griff.
  • Die Kräuselung des Haars führt zu einer ausgesprochen guten Temperaturregulierung. Im Winter schön wärmend und im Sommer angenehm ausgleichend, kann Kaschmir das ganze Jahr über getragen werden. 
  • Wie alle Tierhaare nimmt Kaschmir Feuchtigkeit schnell auf und führt sie reguliert ab. Unangenehmes Schwitzen fällt weg. 
  • Gleichzeitig ist Kaschmir wasserabweisend und eignet sich deshalb auch hervorragend für Mützen, Handschuhe oder Jacken.
  • Selbstreinigend, wenig anfällig für starke Gerüche und kaum knitternd ist Kaschmir sehr pflegeleicht.

 

Pflege

  • Kaschmir hat gerne Ruhe. Idealerweise gönnt man einem Kleidungsstück aus diesem Edelhaar nach jedem Tragen einen Tag Pause an der frischen Luft.
  • Grundsätzlich muss Kaschmir nur selten gewaschen werden. Wenn, dann möglichst schonend und kalt im Woll- oder Handwäscheprogramm und mit einem Wollwaschmittel.
  • Damit das Stück gut in Form bleibt, nach dem Waschen schön zurecht ziehen und dann liegend auf einem Handtuch trocknen. Kein Tumbler, keine Sonne. 
  • Idealerweise wird das Kaschmir-Teil anschliessend mit einem Dampfbügeleisen auf der tiefsten Hitzestufe und mit genügend Abstand geglättet. Wer kein Dampfbügeleisen zur Verfügung hat, legt ein feuchtes Tuch zwischen das Eisen und das Kleidungsstück. Dampf und Wärme stellen die Härchen wieder auf und verleihen dem Kleidungsstück die gewollte Optik. Ausserdem werden so allfällige Schädlinge vernichtet.
  • Bilden sich sogenanntes Pilling (Knötchen, die durch Verfilzen der langen Tierhaare entstehen und keinesfalls eine mindere Qualität bedeutet), greift man am besten zu einem Pilling- oder Wollkamm. Leicht über die betroffenen Stellen streifen und damit die Knötchen entfernen – ganz ohne Rückstände und ohne die weiche Haptik zu zerstören.